Gendern und SEO – so schreiben Sie Webtexte für alle

Gendern – ein Thema, das in den vergangenen Jahren nicht selten für Aufregung gesorgt hat. Aber warum eigentlich? Weshalb wehren sich manche Menschen so vehement gegen geschlechtergerechte Sprache? Wie sieht gendern in der Praxis aus und was bedeutet das für suchmaschinenoptimierte Texte?

Ein kleiner Überblick über die wichtigsten Begriffe:

Es wird zwischen körperlichem Geschlecht und sozialem Geschlecht unterschieden, das soziale Geschlecht wird auch Gender genannt. Sowohl auf der biologischen als auch der sozialen Ebene gibt es mehr als zwei Geschlechter.

Im Deutschen wird häufig das generische Maskulinum verwendet. Das bedeutet, dass die männliche Form eines Wortes nicht nur Männer, sondern alle Personen ansprechen soll. Als Beispiel dafür kann der Satz „Die Kunden nutzen den kostenlosen Versand.“ genutzt werden. Es gibt Situationen, in denen es sich tatsächlich nur um männliche Kunden handelt, meistens aber soll „die Kunden“ eben auch Personen aller anderen Geschlechter meinen.

Gendern beschreibt die Anwendung von geschlechtergerechter oder genderneutraler Sprache. Also Sprache, die auf das generische Maskulinum verzichtet und somit aktiv alle Menschen anspricht.

 

Gendern in Webtexten: 3 gute Gründe für genderneutrale Sprache im Internet

Das Thema der geschlechtergerechten Sprache hat so einiges an Gegenwind bekommen. Zwei der häufigen Gegenargumente sind, dass die Sprache dadurch künstlich verändert wird und dass Texte durch ein Gender-Sternchen unleserlich werden. Dabei wird vergessen, dass Sprache menschengemacht und immer im Wandel ist. Was von Menschen erfunden wurde, kann auch weiterhin von Menschen verändert und an die aktuelle Zeit angepasst werden. Das passiert mit neuen Wörtern wie „Brexit“ (die Kombination aus „Britain“ und „exit“) ebenso wie mit der Grammatik, wenn es eben darum geht, keine Menschen mehr aus Gesprächen auszuschließen. Dabei kann ein Gender-Sternchen erst einmal verwirren. Doch wir Menschen sind Gewohnheitstiere: Sobald wir verstanden haben, worum es geht, können wir diese Neuerung gekonnt mitlesen, ja sogar mitsprechen.

Hier sind drei gute Gründe, um mit dem Gendern auf Ihrer Website anzufangen:

  • Sie sprechen aktiv alle Menschen an, erweitern somit Ihre Zielgruppe und erreichen eine größere potenzielle Kundschaft.
  • Mit der richtigen Strategie können Sie von den Suchmaschinen für zwei statt nur für einen Begriff gleichzeitig gefunden werden.
  • Gendersensible Sprache geht mit der Zeit – also genau das, was gutes Marketing auch tun sollte.

 

Gendern in SEO-Texten: Was passiert mit dem Traffic?

Eine wichtige Frage im Online-Marketing ist: Wie wirkt sich genderneutrale Sprache auf den Traffic einer Website aus? Die folgende Tabelle beantwortet diese Frage und zeigt die positive Entwicklung durch eine Umstellung auf inklusive Sprache. Während beispielsweise der generische Begriff „Lehrer“ einen Traffic von ungefähr 960 monatlichen Besuchern generiert, kommen durch die neutrale Form „Lehrer:in“ und das dazugehörige kumulierte Suchvolumen bis zu 14.490 Besucher pro Monat auf die Webseite. Ähnliche Zahlen bringt die Hochrechnung für die Begriffe im Plural: Die Variante „Lehrer:innen“ mit einem kumulierten Suchvolumen von 34.900 generiert im Idealfall einen Traffic von 10.470 Usern im Monat.

Die Traffic-Potenziale inklusiver Sprache.

 

Warum sollten wir genderneutrale Sprache verwenden?

Wissenschaftliche Studien wie die linguistische Untersuchung von Stahlberg und Sczesny belegen, dass nicht-männliche Personen sich vom generischen Maskulinum weniger angesprochen fühlen und dass die Verwendung davon hauptsächlich mentale Bilder von Männern hervorruft. Aber nicht nur das: Seit 2018 gibt es ein Gesetz, das die Geschlechtsoption „divers“ für intersexuelle Menschen nun endlich ermöglicht. Dieses Gesetz sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz machen deutlich, wie wichtig Geschlechtergerechtigkeit auch auf dem Papier und im Arbeitsleben ist. Doch schon bevor mit der „Dritten Option“ offiziell anerkannt wurde, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, haben Wissenschaft und Medizin bestätigt, dass sowohl das biologische als auch das soziale Geschlecht weit über „weiblich“ und „männlich“ hinausgehen.

Achtung: Bei Stellenanzeigen ist inklusive Sprache seit 2018 keine Frage des Geschmacks mehr, sondern Pflicht. Wer in Ausschreibungen offener Stellen nur weibliche und/oder männliche Personen anspricht, kann rechtlich abgemahnt werden. Eine Möglichkeit für korrekte Anzeigen ist das Anhängen von „(m/w/d)“ oder „(m/w/divers)“ an die Berufsbeschreibung. Und auch das ist eine große Chance: Studien zeigen, dass divers aufgestellte Teams zu einem höheren Unternehmenserfolg beitragen!

 

Diese Gründe sprechen für genderneutrale SEO-Texte.

 

Welche Möglichkeiten zu gendern gibt es? Ein Überblick über die Schreibweisen

Im Deutschen gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, zu gendern. Dabei unterscheiden sich die unterschiedlichen Methoden zwischen solchen, die Männer und Frauen einschließen und solchen, die alle Geschlechter berücksichtigen. Für welche der Optionen Sie sich entscheiden ist Ihnen überlassen. Eines haben alle gemeinsam: Sie sprechen mehr als nur die Hälfte der Bevölkerung an.

Diese drei Formen sprechen Männer und Frauen an:

  • die Paarform: Kunden und Kundinnen
  • das Binnen-I: KundInnen
  • der Schrägstrich: Kund/innen

Und diese drei Schreibweisen beinhalten alle körperlichen und sozialen Geschlechter:

  • das Gendersternchen: Kund*innen
  • der Unterstrich: Kund_innen
  • der Doppelpunkt: Kund:innen

 

Gendern und SEO vereinbaren – das geht!

… und es ist nicht einmal schwer. Es gibt drei Möglichkeiten, die die Anwendung von geschlechtergerechter Sprache besonders einfach machen.

 

Geschlechterneutrale Alternativen verwenden

Die erstmal einfachste und eleganteste Art, gendergerechte Sprache zu verwenden, ist das Nutzen von neutralen Formen. Statt „Studenten und Studentinnen“ beziehungsweise „Student*innen“ zu schreiben, können Sie von „Studierenden“ sprechen, „Kunden und Kundinnen“ oder „Kund:innen“ werden zur „Kundschaft„. Das Online-Genderwörterbuch ist eine praktische Quelle, um nach neutralen Begriffen und Formulierungen zu suchen. Manchmal sind sie naheliegender als wir vielleicht denken. Weitere Beispiele sind:

  • Arztkosten → (ärztliche) Behandlungskosten
  • Dozenten → Dozierende
  • jeder, der… → alle, die…
  • Putzfrau → Putzkraft, Putzhilfe

 

Paarform: eine zuverlässige Lösung für alle Fälle

Manchmal aber gibt es keine geeignete neutrale Bezeichnung und das Gendersternchen oder der Doppelpunkt sind aus Sicht der Suchmaschinen nicht immer zufriedenstellend. In diesen Fällen kann die Paarform angewendet werden. Sie kann zwar auf Dauer durch häufige Wortwiederholungen etwas holprig wirken, aber für Google funktioniert sie immer und ist inklusiver als die rein männliche Form. Außerdem überzeugt diese Art des Genderns durch ein insgesamt höheres Suchvolumen in den Suchmaschinen. Da „Schüler“ ein Suchvolumen von 8.200 hat und „Schülerinnen“ ein Suchvolumen von 1.900, ergibt das kombiniert ein Suchvolumen von 10.100!

 

Der Doppelpunkt: Platz 1 für Inklusion und organische Rankings

Der große Vorteil von einem gekonnten Einsatz genderneutraler Sprache ist, dass Begriffe, bei denen die gegenderte Form weiterhin die komplette männliche Form beinhaltet, bei den Suchmaschinen sowohl für die männliche als auch für die weibliche Form gefunden werden. Zum Beispiel erkennt Google das Wort Journalist:in zum einen als Journalist, zum anderen aber auch als Journalistin. Das funktioniert nicht bei allen Wörtern (bei Kund:in beispielsweise nicht, da die Variante nicht die komplette männliche Version beinhaltet) aber wenn es funktioniert, ranken Sie gleich doppelt! Um das Beispiel aus dem vorherigen Absatz nochmal aufzugreifen: auch bei „Schüler:in“ oder „Schüler:innen“ funktioniert das doppelte Ranken und ist zudem noch inklusiver als die Paar-Methode! Weitere Beispiele, die einwandfrei funktionieren, sind:

  • Verkäufer:in
  • Erzieher:in
  • Lehrer:in
  • Musiker:in
  • Mediziner:in
  • Handwerker:in
  • uvm.

 

Welche Herausforderungen gibt es bei gendergerechten Webtexten?

Es gibt zwei wichtige Punkte, die Sie beim Gendern auf Ihrer Website berücksichtigen sollten. Zum einen die Barrierefreiheit im Netz, zum anderen natürlich die Eigenheiten der Suchmaschinen. Mit ein paar Kniffen lassen sich aber auch diese beiden Anforderungen ganz leicht erfüllen.

 

Herausforderung #1: Inklusive Sprache ist nicht automatisch barrierefrei

Es sind nicht alle Arten des Genderns barrierefrei. Viele Menschen mit einer Beeinträchtigung des Sehens nutzen Screenreader, die ihnen die Webtexte vorlesen. Diese Screenreader können allerdings nicht jede Version von genderneutraler Sprache korrekt auswerfen. Beispielsweise sprechen sie das Gender-Sternchen unter Umständen als tatsächlichen „Stern“ aus. Die Lösung für digitale Barrierfreiheit ist hier entweder die Paarform oder der Doppelpunkt, da dieser auch von den Hilfsmitteln korrekt vorgelesen werden kann.

 

Herausforderung #2: Google hält (noch) an exklusiver Sprache fest

Manchmal lassen sich geschlechtergerechte Sprache und SEO nicht automatisch vereinbaren. Die Suchmaschinen kennen die Keywords, die von den Usern häufig gesucht werden. Da wir aus Gründen der Gewohnheit (und weil wir das Verhalten von Suchmaschinen kennen) in den meisten Fällen nach der männlichen Form, manchmal nach der weiblichen, aber eigentlich nie nach einer geschlechterneutralen Form suchen, kennen Google und Co. diese auch (noch) nicht. Ein aus SEO-Sicht guter Text verlangt nicht zwingend gegenderte Wörter. Solange die Mehrheit der Menschen noch das generische Maskulinum verwendet, wird sich daran also vermutlich nichts ändern. Das heißt aber nicht, dass Sie auf das Gendern in Ihren Webtexten verzichten müssen oder gar sollten – ganz im Gegenteil! Die zuvor genannten Lösungen ermöglichen es, für die Keywords zu ranken und dennoch niemanden auszuschließen.

 

Fazit: Inklusive Sprache ist möglich – auch auf Ihrer Website

Inklusive Sprache in SEO-Texten ist also  sowohl aus moralischen als auch aus SEO-technischen Gründen durchaus empfehlenswert. Anfangs kann die Umstellung Herausforderungen mit sich bringen, die sich aber leicht überwinden lassen. Dann ist das Erstellen von genderneutralen und barrierefreien Texten gar nicht mehr schwer – im Gegenteil: es lohnt sich richtig! Wenn Sie sich dazu entscheiden, ab sofort auf genderneutrale Sprache umzustellen, können Sie aus einer Vielzahl von Möglichkeiten auswählen. Bei weiteren Fragen zum Thema oder wenn Sie Unterstützung bei der Erstellung inklusiver Texte benötigen, beraten wir Sie gerne.

 

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