SEACamp Jena 2019 – Recap

Zum fünften Mal in Folge waren wir auch in diesem Jahr auf dem SEA Camp vertreten. Es fand am 11.04.19 wieder im Steigenberger Esplanade Hotel in Jena statt. Mit kostenfreien Drinks am Vorabend, wurde in die Konferenz mit einer gemütlichen und lockeren Atmosphäre eingestimmt.

Der nächste Tag begann mit einer kurzen Begrüßung der Organisatoren und der Kurzvorstellung der bevorstehenden Sessions und im Anschluss wurde die Konferenz mit lustigen Suchanfragen eingeleitet. Nach einigen Lachern hat die Suchanfrage „Wie kann ich meine Daten bei Weight Watchers löschen und von vorne beginnen“, die auf das Keyword „+daten +löschen“ gematched wurde, gewonnen!

Hotel-Bar am Vorabend

Kurz darauf ging es schon mit den lehrreichen Vorträgen los, die wir für euch zusammengefasst haben:

PPC Law Update  (Peter Hense)

Gleich zu Beginn hat uns der Anwalt Peter Hense einen Einblick in das Markenrecht im Online Marketing gegeben. Entgegen vieler Annahmen ist es nämlich nicht erlaubt, dass ein Händler mit einer Marke, inklusive Logo, werben darf, nur weil er ein Produkt der Marke vertreibt. Eine Marke darf vom Händler nur beworben werden, wenn sie im Zusammenhang mit dem Produkt, das der Händler anbietet, erscheint. Demnach darf nur der Markeninhaber mit der kompletten Marke werben!

Ein weiterer interessanter und wichtiger Punkt ist die Qualitätsgarantie, die Werbetreibende nicht verletzen dürfen. Bewirbt man eine Fremdmarke mit Rabatten, sind bezugslose Rabatte (bspw. ggü. UVP, EK, etc.) nicht gestattet. Der Grund dafür ist, dass die Marke in einem schlechten Licht erscheint und der Verbraucher in die Irre geführt werden könnte.

Peter Hense hat in seinem Vortrag falsche Annahmen aufgedeckt und erklärt auf welchen gerichtlichen Entscheidungen sie basieren.

Feedbasierte Kampagnenerstellung mit Search Ads 360 Inventarkampagnen (Sebastian Zehelein und Julian Volke)

Sebastian und Julian stellten in Ihrem Vortrag vor, wie mit Search Ads 360 über die Google Marketing Plattform automatisiert Kampagnen, Anzeigen, Keywords und Sitelinks erstellt werden können. Dabei nannten Sie folgende Vor- und Nachteile dieser automatisierten Kampagnen.

Pros:

  • Weitestgehend automatisiert
  • Suchmaschinenübergreifendes Setup (Google Ads, Bing Ads, Yahoo!, Baidu)
  • Product Feed Integration
  • Änderungen haben Skaleneffekte

Contras:

  • Einmalig höherer Aufwand als in Google Ads
  • Extra Kosten für Search Ads 360 (Enterprise-Plattform)
  • Spezialwissen erforderlich
  • Fehler haben große Einflüsse

Für die Erstellung der Kampagnen bezieht sich die jeweilige Suchmaschine auf das hinterlegte Feed und aktualisiert bzw. pausiert automatisch einzelne Anzeigen je nach Verfügbarkeit der Produkte. Für Texte und Keywords werden Templates erstellt, die sich einzelnen Attributen aus dem Feed bedienen, z.B. Produktname, Preis, Rabatte etc.

Insbesondere für große Online-Shops empfehlen die beiden den Einsatz solcher Anzeigen.

Instagram Shopping Ads (Jörg Stark)

Dieser Vortrag lies uns etwas über den typischen PPC-Tellerrand hinausblicken. Jörg stellte einen Case vor, wie er mit seiner Agentur einen Frankfurter Rapper als Influencer gewinnen konnte. Die Agentur schaltet mittlerweile viel Shopping Ads zum Bewerben der Fan-Artikel. Außerdem ist der Rapper nun zusätzlich dafür zuständig, den ansässigen Eishockey-Verein zu promoten. Mit diesem Modell gelang es der Agentur, die Ticketverkäufe des Vereins stark anzukurbeln. Wer bereits viel mit Instagram Pages oder Influencern arbeitet, sollte folgende Tools kennen:

      • Fanpage Karma
      • Influencer DB
      • Hyper Audit

 

Unique in Google Shopping (Oliver Greifenstein)

In diesem Vortrag konnten wir uns vier Tipps mitnehmen, um die Einzigartigkeit unserer Shopping Ads zu hebeln. Außerdem wurden die Vor- und Nachteile der neuen Smart Shopping Ads beleuchtet. Hier eine kurze Zusammenfassung der Tipps:

      1. In Smart Shopping ist es nicht möglich, sich den Suchanfragenbericht anzusehen. Oliver hat einen Workaround gezeigt, wie es über einen ITEM ID Report trotzdem gelingt.
      2. Er empfiehlt, die Shopping Kampagnen geräteweise aufzuteilen, sodass man für Desktop, Mobile und Tablet eigene Gebote auf Produktebene vergeben kann.
      3. Die Methode, seine Shopping Kampagnen nach Brand-, Produkt- und Generischen Suchanfragen aufzuteilen wurde bereits sehr häufig empfohlen. Trotzdem war das sicher ein guter Tipp, der hier nicht fehlen sollte.
      4. Zu guter Letzt hat er uns noch einige Beispiele gezeigt, wie man seine benutzerdefinierten Labels im Feed mit Hilfe der API anreichern kann. Er lässt dort z.B. Infos zum Lagerbestand, Rücklaufquoten oder die Marge mit einfließen.

SEACamp Jena

Psychologie in der Praxis für erfolgreiche Landing Pages (Hellen Roring)

Hellen bedient sich des Lymbic Ansatzes, um Zielgruppen in drei Emotions-Systeme zu gliedern.

      • Stimulanz
      • Balance
      • Dominanz

Der Lymbic Ansatz geht davon aus, dass Menschen in diese drei Kategorien segmentiert werden können, die Ausprägung ist dabei unterschiedlich. User können über konkrete Anpassung einer Landingpage je nachdem in welchen Emotions-Bereich sie fallen, besonders gut angesprochen werden. Dabei stellt sich die Frage, woher die Daten dabei stammen können. Hellen nennt folgende Datenquellen:

      • Marktforschung
      • Branchen-Insights
      • CRM
      • Google Ads & Analytics
      • Facebook

Anschließend können verschiedene Ansprachen getestet werden. Hellen zeigte den Ansatz anhand eines Landingpage-Beispiels für einen Staubsauger. Sowohl die Produktbeschreibung, sowie auch die Farbwelt und die Bildstimmung wurde dabei auf die jeweilige Gruppe im Lymbic System abgestimmt.

Ihr Fazit lautet: Möglichst viele Informationen über die Zielgruppe sammeln und testen, testen, testen.

Was Amazon Merchants von SEAs lernen können (Lisa Leistenschneider)

Lisa Leistenschneider konnte den Teilnehmern ihrer Session einen kurzen und knappen Überblick geben welche Maßnahmen aus Google Ads für Amazon sinnvoll sind und richtete sich v.a. an Amazon-Einsteiger. Als Beispiel stellte sie uns Uhrenmarken vor, die aus Google Shopping in Amazon beworben werden können. Nach ihrer zehnminütigen Vorstellung des Vorgehens konnte sie einige Basics aus dem Bereich Sponsored Products Ads vermitteln.

Amazon SEA und SEO im Einklang  (Christian Otto Kelm)

Im Anschluss zum ersten Amazon-Vortrag folgte gleich ein weiterer aus diesem Kanal. Christian Kelm fokussierte sich auf die organische Content-Optimierung der Amazon-Produktdaten. Seine Empfehlung ist es im Bereich Content eine gute Basis zu schaffen, bevor mit dem Advertising begonnen wird.

Er zeigte, dass mithilfe von verschiedenen Tools relevante Suchbegriffe und Synonyme identifiziert werden müssen, um sie dann in den Produktexten zu verwenden. Denn ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist, dass Amazon, im Gegensatz zu Google, keine Falschschreibweisen interpretieren kann.

Zusammenfassend konnte uns Christian einen guten Einblick aus dem SEO Bereich geben, allerdings fehlte der Bezug zum SEA.

Wie immer wurden wir gut versorgt!

„Leg mal schnell die Aktion in 5 Ländern an!“ – Wie man Aktionsanlage in Multiaccount-Settings mit Templates automatisieren und alte Leichen vermeiden kann (Ivana Nikic)

Ivana stellte in ihrem Vortrag eine Lösung zur Anpassung mehrerer Accounts in verschiedenen Sprachen bei Aktionen vor. Die arbeitet dabei mit einem Google Sheet, das Daten aus anderen Quellen berücksichtigt. Daraus baut sie ein Template, auf die sich die einzelnen Kampagnen in den verschiedenen Google Ads Accounts beziehen.

Auch für die Kontrolle von alten Anzeigen hat sie eine Lösung. Jahreszahlen oder auch Saisonalitäten können über Spreadsheets geprüft werden.

Data Studio Hacks (Alexandra Zenzura Studier)

Die Google Data Studios sind ein frei verfügbares Tool von Google, dass das erstellen komplexer Reportings vereinfacht. Alexandra stelle zunächst die Vorteile vor:

  • Sehr viel Freiheit bei der Dashboard Gestaltung
  • viele Partner-Konnektoren (man kann quasi alle Onlinemarketing Daten über Verknüpfungen mit einfließen lassen)
  • Zeitersparnis
  • Live-Daten

Für uns als Agentur, die die Data Studios bereits nutzt, war dies ein wirklich gelungener Vortrag, in dem wir einige neue Denkanstöße und Ideen mitnehmen konnten. Es wurden mehrere Features vorgestellt und erklärt:

  • Data Blending: Hilfreich um Daten verschiedener Kanäle wie Google, Bing oder Facebook in einem Report zusammen zu führen
  • Berechnete Felder: Hilfreich um sich eigene Formeln zu basteln und auch für die interne Qualitätskontrolle
  • Dashboards bauen für die interne Qualitätskontrolle. Leider gibt es noch keine Alertfunktion.
  • Anlegen vieler verschiedener Filter.

SEACamp Jena

Smarte Kampagnen von Google – Einfach, schnell aber auch clever? (Gerhard Jahns)

Der viel besuchte Vortrag von Gerhard behandelte die beiden Smarten Kampagnentypen: Smart Shopping und Smart Display Ads.

Seine bisherigen Erfahrungswerte zum Bereich Shopping lauten:

  • Keine Unterscheidung zwischen dem Google Suchnetzwerk und der Google Suche möglich
  • Keine Unterscheidung der Geräte möglich
  • Kosten können zu Beginn stark steigen
  • Teilweise hoher mobile Traffic
  • Externe Effekte erkennt der Algorithmus natürlich nicht
  • Es wird ausreichend Budget benötigt
  • Der Algorithmus kann und sollte über ROAS-Anpassungen gesteuert werden

Im Bereich Diplay teilte er folgende Insights:

  • Die Abrechnung ist nach Klicks oder nach Conversions möglich
  • Bei der Abrechnung nach Conversions hat er die Erfahrung gemacht, dass wenn nach 14 Tagen keine Conversion erzielt wurde, die Kampagne nicht mehr ausgeliefert wird
  • Der Ziel-CPA sollte zielorientiert definiert werden
  • Google empfiehlt als Tagesbudget den 10-Fachen CPA zu definieren
  • Platzierungen und Kombinationen von Werbemitteln können ausgewertet werden

Social CRM – Gelungene Kundenerlebnisse kreieren dank zeitgemäßen Customer Service (Alexander Wolf)

Alexander Wolf leitete seine Session damit ein, dass v.a. Erlebnisse verkauft werden sollen.

Er fokussierte sich auf die Frage, wie der User kurz bevor er konvertiert, abgeholt werden kann. Dabei stützte er sich auf folgende Studien:

    • Jeder User benutzt 5-6 Apps/ Tag. Das sind hauptsächlich Social Media und Messenger Plattformen.
    • 60% des Traffics kommt von mobilen Endgeräten
    • 72% der User schreiben lieber als zu telefonieren & davon kommunizieren 89% mit einem Unternehmen lieber über einen Messenger als dort anzurufen

Daraus zieht Alexander das Fazit, dass Unternehmen einen Chat-Bot einrichten sollen, der einen „Human Touch“ besitzt. Der Kunde erwartet hier kurze Antwortzeiten und so soll mit einfachen kurzen Dialogen eine Beziehung zum User aufgebaut werden. Durch einen „menschlicheren“ Chat-Bot soll der User sich optimalerweise dazu entscheiden eine Conversion durchzuführen

Pinterest Ads – Jetzt auch in Deutschland (Corrina Kiel)

Die Werbung auf Pinterest ist in Deutschland noch ein sehr neues Thema, das erst seit Februar möglich ist. Pinterest bietet eine super Alternative zu mittlerweile sehr stark mit Werbung besetzten Kanälen Facebook und Instagram. Im Prinzip hat man dieselben Targeting Optionen wie auf Facebook, kann die Ausrichtung allerdings zusätzlich noch mit Keywords anreichern, was wir sehr spannend finden. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass Pinterest Ads in der Customer Journey sehr am Anfang ansetzen, denn die meisten User der Plattform suchen dort zunächst erste Inspirationen. Wir waren dennoch begeistert und haben durch den Vortrag richtig Lust bekommen, das Thema auch bei uns schnellstmöglich umzusetzen.

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GTM Hacks für mehr Zielgruppen-Insights (Steffen Bath)

Steffen zeigte in seinem Vortrag mehrere Tipps und Tricks für fortgeschrittene Tracking-Hacks mit dem Google Tag Manager.

Dabei nannte er unter Anderem den Tipp, nicht nur abgesendete Formulare zu tracken, sondern diese im Anschluss auch über Daten aus dem internen CRM zu validieren und die Qualität der Leads zu übergeben.

Außerdem stellte er Call Tracking vor. Dabei gibt es verschiedene Anbieter (z.B. Matelso), die Funktionsweise ist dabei jeweils ähnlich. Wenn ein User auf eine Webseite kommt, sieht er eine individuelle Telefonnummer. Wenn diese nun gewählt wird, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückverfolgt werden, über welche Anzeige der User auf die Webseite kam. Diese Daten können im Anschluss wieder zurück an Google Ads oder Google Analytics übertragen werden.

Device „TV-Bildschirme“ – Welche Potenziale bietet der neue Ausrichtungstyp? (Rüdiger Rudolph)

Zu Beginn leitete Rüdiger seine Session mit ein paar Fakten ein, u.a.: „Jeden Tag sehen sich Nutzer auf TV-Bildschirmen YouTube-Videos mit einer durchschnittlichen Gesamtdauer von über 180 Millionen Stunden an.“ Auf dieser Basis beobachtete er hauptsächlich YouTube- und zum Teil Display-Kampagnen.

Rüdiger hat uns ein paar Insights zu selbst durchgeführten Tests gegeben. Er testete InStream-Anzeigen, die nur auf TV-Bildschirme ausgerichtet waren und kam zu der Erkenntnis, dass die Ausrichtung auf TV-Geräte zur Bekanntheitssteigerung und für Branding, sowie Remarketing interessant ist. Die neue Geräteausrichtung ist allerdings weniger für die Conversiongenerierung geeignet.

Da Google Ads TV-Bildschirme erst seit Anfang des Jahres unterstützt, sind wir gespannt welche Erfahrungen wir noch machen werden!

Fazit:

Wie immer möchten wir der Veranstaltung ein durchweg positives Feedback geben. Das Steigenberger Esplanade Hotel in Jena hat sich als perfekte Event-Location etabliert und versorgt die Gäste schon seit Jahren mit einem reichhaltigen Angebot an leckerem Essen. Fachlich begeistert hat uns in diesem Jahr die breite Palette an Vortrags-Themen, die mit Pinterest, Instagram und Data Studios einen kleinen Exkurs abseits der typischen SEA Themen zuließen. Nach getaner Arbeit und 7 Vorträgen später hatten wir uns die gekühlten Gratisgetränke wirklich verdient und konnten einen interessanten Tag gemütlich ausklingen lassen.

Wir kommen auch im nächsten Jahr gerne wieder zu der Veranstaltung, die ein MUSS für alle SEAler ist.

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