10 SEO-Tipps: So gelingt der Relaunch

Die meisten Unternehmen setzen sich bei einem SEO-Relaunch unterschiedliche Ziele: Mehr Sichtbarkeit in der organischen Suche, bessere User Experience, mehr Traffic und natürlich mehr Conversions! Das wäre der ideale Relaunch.
Leider sieht die Realität bei vielen (SEO-)Relaunches anders aus: Die Sichtbarkeit fällt rapide ab, der Traffic ist rückläufig oder die Conversion-Rate bricht ein. Im Worst Case treten alle Fälle ein.

In diesem Artikel möchte ich euch typische Fallstricke bei einem Relaunch auflisten und wie ihr Relaunches erfolgreich meistern könnt. Im Artikel gehe ich überwiegend auf den SEO-Bereich ein, dennoch möchte ich dazu ein paar Worte zum Conversion-Testing verlieren, da dieser Punkt eine wichtige Rolle spielt.

 

1. Der Klassiker: 301-Redirects

Die Redirects bilden beim SEO-Relaunch einen wichtigen Part. Wichtig ist hier, dass die Redirects mit dem Status Code 301 definiert werden.
Immer wieder passiert es, dass 302-Redirects entstehen (z.B. bei Apache Servern, die den 302er als Standard verwenden).

301-Weiterleitungen signalisieren Bots, dass die angeforderte URL permanent umgeleitet wurde.

Beim Festlegen der zu weiterleitenden URLs sollte zudem auf den Inhalt der „alten“ URL geachtet werden.
Sprich, „alte“ URLs sollten auf thematisch ähnliche „neue“ URLs weitergeleitet werden.

Natürlich muss dies nur beachtet werden, wenn neue URLs erstellt wurden. Wenn bereits eine optimale URL-Struktur besteht und diese übernommen wird, müssen auch keine Redirects gesetzt werden.

Falsche Redirects bei planet-wissen.de (Quelle: https://de.sistrix.com/planet-wissen.de)
Falsche Redirects bei planet-wissen.de (Quelle: https://de.sistrix.com/planet-wissen.de)

 

2. HTTPs

Bei einem Relaunch macht es durchaus Sinn machen, direkt auf das HTTPs-Protokoll zu wechseln. HTTPs ist seit einiger Zeit ein offizieller Rankingfaktor auch wenn der Faktor eher eine geringere Rolle spielt.

Vor allem für Online-Shops, die ohnehin spätestens im Checkout das HTTPs-Protokoll einsetzen, ist es ratsam, die gesamte Domain auf dem verschlüsselten Protokoll bereitzustellen.

2016-07-28_08-51-56
URL – wikipedia.de

Achte bei der Umstellung auf HTTPs, dass keine unnötigen Redirect-Ketten (mehrere Redirects nacheinander) erzeugt werden. Das kann wiederum zu vielen Problemen und letztendlich zu Ranking-Verlusten führen.

Wichtig: Bei Einsatz von HTTPs sollte unbedingt das Zertifikat gültig bzw. valide sein. In der Praxis kommt es häufig vor, dass Zertifikate ungültig sind und somit die Warnung „Unsichere Verbindung“ im Browser erscheint.

 

3. Meta-Angaben

Title

Jede SEO-relevante Seite sollte nach definierter KW-Strategie ausgerichtet werden. Das Title-Tag gilt als wichtigstes Meta-Tag und sollte bei einem Relaunch vorhanden und befüllt sein.

Description

Auch die Meta-Description sollte auf den KW-Fokus bzw. die KW-Themen abgestimmt sein. Die Description ist zwar kein Ranking-Faktor aber dennoch ein wichtiges Element, um potentielle Besucher zum Klick in den SERPs zu überzeugen.

Canonicals

Das Canonical-Tag wird häufig verwendet und gerne als „301 des armen Mannes“ bezeichnet. Warum?
Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn technische Probleme auftreten, z.B. bei doppelten Inhalten. Duplicate Content ist meist der Grund für den Einsatz von Canonicals.

In der Praxis sieht das ungefähr so aus: Aus irgendeinem Grund erzeugt das System doppelte Inhalte! Was sollen wir tun? Nimm das Canonical Tag, dann bekommen wir keine Probleme mit Google!

Meiner Meinung nach kann überwiegend auf das Canonical-Tag verzichtet werden, da es zu 99% der Fälle eher eine Gefahr darstellt. Der Einsatz von Canonicals sollte immer mit Bedacht stattfinden und niemals ein „Notnagel“ sein.

Bei technischen Problemen, z.B. aus dem CMS, muss Ursachenforschung betrieben werden bzw. am besten vor Relaunch auf ein System setzen, das typische Probleme im Vorfeld nahezu eliminiert.

hreflang-Tag

Je nach strategischer Ausrichtung erfolgt der Relaunch in mehreren Sprachen. Unterschiedliche Sprachversionen werden in der Praxis in Verzeichnis-Struktur, als Subdomain oder auf einer TLD abgebildet:

example.com/fr/, fr.example.com oder example.fr

Egal welche Variante gewählt wird, sollte bei Mehrsprachigkeit das hreflang-Tag im Head-Bereich des HTML-Dokuments eingesetzt werden. Das hreflang-Tag teilt den Suchmaschinen die verschiedenen Sprachversionen mit und erleichtert somit die korrekte Indizierung.

Wichtig: Das hreflang-Tag muss auf allen Seiten sämtliche Sprachversionen referenzieren.

Weitere Meta-Angaben

Dazu sollte noch weitere Meta-Daten gepflegt werden, auf die dich nicht weiter eingehen möchte. Das sind z.B::

OpenGraph Angaben für Social Crawler

Publisher-Tag für die Referenzierung der Google+ Seite und Beeinflussung des Knowledge Graphs

 

4. Interne Verlinkung, Crawling und Indexsteuerung

Die interne Verlinkung ist im SEO eine eigene Disziplin und nicht nur für Suchmaschinen relevant. Eine gut durchdachte Struktur der Website ist der Grundbaustein für eine optimale interne Verlinkung und Usability. In diesem Artikel gehe ich daher nur auf die grundlegenden Punkte der internen Verlinkung ein.

Auf was muss ich bei der internen Verlinkung grundsätzlich beachten?

– Linktexte: Überprüfe deine Linktexte und die entsprechende verlinkte URL. Nutze Linktexte, die den Inhalt der verlinkten Seiten sinnvoll beschreibt.

– Art der Verlinkung: Achte darauf, dass Verlinkungen per HTML Anker definiert werden und nicht über JS oder ähnliches.

– Ebenen: Versuche SEO-relevante Seiten mit wenigen Klicks (max. 3-5 Klicks) erreichbar zu machen. Weniger Ebenen beeinflussen das Crawling und die Usability positiv.

– Häufig verlinkte Seiten: Stelle sicher, dass wichtige SEO-relevante Seiten auch am häufigsten verlinkt sind.

– Verlinkungen aus dem Content: Versuche wichtige Seiten überwiegend aus dem Content-Bereich zu verlinken und nicht aus dem Footer oder Header. Content-Links (die nach einer gewissen Wahrscheinlichkeit) geklickt werden, stellen langfristig eine höhere Wichtigkeit dar.

Crawl-Daten mit den SEOratio Tools
Crawl-Daten aus den SEOratio Tools

robots.txt

Natürlich sollten alle Seiten auch für Suchmaschinen gecrawlt werden können. Daher sollte das robots.txt File der Domain entsprechend konfiguriert und vorhanden sein.

Grundsätzlich lässt sich über die robots.txt Folgendes sagen:

Sperre keine JS oder CSS-Dateien! Diese Files werden für das Rendering einer Seite benötigt.

– Achte generell darauf, dass Suchmaschinenbots Zugriff auf die Domain bzw. auf wichtige Seiten haben. („Disallow: /“ blockiert die gesamte Domain)

Sperrt die gesamte Domain für alle Bots:

User-agent:*
Disallow: /

Die gesamte Domain für alle Bots freigeben:

User-agent:*
Disallow: 

In der Regel sind das grundlegende Anforderungen, die die robots.txt mindestens erfüllen sollte. Bestimmte Bereiche, z.B. Admin-Bereiche, können in der Regel blockiert werden.

Index-Steuerung

Um SEO-relevante Seiten in den Suchmaschinen-Index zu bekommen, sollten sie nicht aus der Indexierung ausgeschlossen werden. Immer wieder passiert es, dass nach einem Relaunch einige Seiten oder sogar alle Seiten auf „noindex“ stehen, z.B. weil das Tag aus der Testumgebung auf die Live-Version gespielt wird.

Google verzeiht hier teilweise Fehler (eigene Erfahrung) und deindexiert nicht sofort alle URLs. Bleibt das Tag aber bei wiederholtem Crawling-Vorgang bestehen, werden die Seiten aus dem Index entfernt. Hier sollte also kein Risiko eingegangen werden.

Daher: Überprüfe, ob SEO-relevante Seiten auf „index, follow“ stehen.

Im Gegenzug sollte darauf geachtet werden, dass der Index nicht mit irrelevanten Seiten gefüttert wird und „aufgebläht“ wird.
Vor allem bei Online-Shops mit einer Faceted Navigation können tausende URL-Kombinationen entstehen und in den Index gelangen.

Achte genau darauf, welche Seiten indexiert werden und vermeide das „dünne“ Inhalte den Index verwüsten!

 

5. Content

Was ist besser als guter Content? Besserer Content!
Generell macht es durchaus Sinn, vor jedem Relaunch einen Content-Audit zu machen und die Inhalte aufzubereiten, sozusagen generalzuüberholen.

Neue Inhalte = Neue Berechnung!

Wenn neue Inhalte erstellt werden, müssen diese von Suchmaschinen verarbeitet werden. Das bringt in der Regel immer Ranking-Änderungen mit sich. Wichtig hierbei ist, dass die Inhalte auf den User-Intent abgestimmt sind. Sprich, holistische KW- bzw. Themen-Projektierung ist ein Muss!

HTML-Formatierungen

Beim Templating sollte man auf grundlegende Formatierungen achten und die KW-Themen gan:

– Verwende Überschriften (<h>) sinnvoll

– Nutze Listen (<li>) wenn es sich anbietet

– Befülle ALT-Attribute für Bilder

Semantische Auszeichnungen

Nutze semantische Auszeichnungen (schema.org, data-vocabulary) um bestimmte Bereiche auszuzeichnen. Zum Beispiel bei Produkten (Verfügbarkeit, Preis etc.) oder Unternehmensdaten.
Durch diese Auszeichnungen werden Rich Snippets in den SERPs aktiv (z.B. bei Produkten) oder können den Knowledge Graph bei Brand-Anfragen beeinflussen (Unternehmensdaten).

 

6. Mobile

„Mobile first“ lautet das Motto. Aber was bedeutet „mobile first“ eigentlich? Bei vielen Relaunches wird das Thema Mobilfähigkeit als eine Sache der Darstellung abgestempelt. Der Content muss sich einfach auf mobilen Geräten darstellen lassen und entsprechend layouttechnisch anpassen.

Die reine Darstellung bzw. Anpassung des Inhalts für ein Device wird Responsive Design bzw. Adaptive Design genannt.

Sollten wir uns aber nicht die Frage stellen: Reicht die reine optische Darstellung von Content im mobilen Zeitalter aus? Ich denke eher Nein.
Die Inhalte auf mobilen Endgeräten müssen sich den Gegebenheiten anpassen und sollten fokussierter werden.

Daher: Macht euch über Responsivität Gedanken und überzeugt den User Device-unabhängig!

 

7. Pagespeed

Ja, die Ladezeiten. Gibt es was Schlimmeres als Websites, die schleppend laden oder einfach nur langsam sind?
Wenn man die steigenden Nutzerzahlen von mobilen Geräten unter die Lupe nimmt, wird schnell klar, warum Pagespeed ein großes Thema ist.
10MB Bilder mit Edge zu laden, ist kein schönes Erlebnis.

Kümmert euch um die Ladezeit und testet eure Domain auf Schwachstellen. Ein empfehlenswertes Tool zur Überprüfung der Ladezeit ist webpagetest.org.

Pagespeed Analyse mit webpagetest.org
Pagespeed Analyse mit webpagetest.org

 

Achtet dazu auf folgende Kriterien:

Nutzt ein CDN um das TTFB (Time to first byte) zu optimieren, falls nicht anders möglich
– Setzt Komprimierungsverfahren, wie gzip ein
– Optimiert und komprimiert eure Bilder
– Setzt das BrowserCaching ein
– Verwendet CSS-Sprites
– Reduziert die Anzahl der Requests
– Setzt ggfs. prerendering und prefetching ein
– Bei Apache (& nginx): Rüstet euren Server auf http2 um (läuft aktuell nur unter HTTPs)

 

8. Tracking & Tools

Vor jedem Relaunch solltet ihr an eure Analyse-Tools denken. Das ist wichtig, um eventuelle Probleme nach dem Relaunch schnellstmöglich aufzudecken.
Daher achtet auf eure Tracking-Codes und vergesst nicht eure Domain bei einer Umstellung auf z.B. bei HTTPs in der Search Console zu bestätigen bzw. zu hinterlegen.

Tipp: Um detailliertere Daten in der Search Console zu erhalten, solltet ihr wichtige Verzeichnisse (oder sogar einzelne URLs) separat in der Search Console bestätigen.

 

9. Conversion Testing

Der Relaunch bedeutet in der Regel auch ein Redesign der Website. In der Konzeptphase werden neue Designs erstellt, um die User Experience und Usability zu verbessern.

In der gesamten Relaunch-Phase, also von Beginn bis zum eigentlich Relaunch, sollte das Testing berücksichtigt werden und eine große Rolle spielen. Denkt immer daran, dass jede These, die ihr aufstellt auch validiert werden muss.

Daher ist es ratsam, nach dem Lean-Gedanken erste Prototypen früh iterativ zu testen. In kurzen Zyklen und Iterationen kann so ein lokales Maximum erreicht werden.

Amazon.de oder auch booking.com sind hier schöne Beispiele: Sämtliche Elemente werden einzeln getestet und bei positiven Ergebnissen live gestellt.
Einen „Gesamt-Relaunch“ sucht man hier vergebens. Dieses iterative Vorgehen ermöglicht Amazon und booking.com u.a. einen Wettbewerbsvorteil.

Das macht durchaus Sinn, da die Gefahr von sinkenden Conversion-Raten nach einem Relaunch nahezu eliminiert werden.

Auch im SEO spielt das Design (implizit) und die Usability eine immer wichtigere Rolle. Beide Bereiche wirken sich indirekt und direkt auf das User-Verhalten aus.

Strategisches-Optimieren-610x374
Mehr Wachstum durch iteratives Testing – Quelle: https://www.konversionskraft.de/strategie/warum-amazon-nicht-innovativ-ist.html

Zusammengefasst:

– Seid agil und orientiert bzw. bedient euch an Lean-Management
– Erstellt erste Prototypen und testet diese frühzeitig (Erfahrungen können somit im Prozess verarbeitet werden)
Iterationen und Review-Zyklen sind von hoher Bedeutung
Validiert eure Thesen durch Testings

 

10. Nach dem Relaunch

Der Relaunch ist erfolgt. Checkt nach dem Relaunch die Domain auf wichtige KPIs und Metriken:

  1. Überprüft, ob alle 301-Redirects korrekt gesetzt wurden
  2. Wie verändert sich der Traffic? Sind Trends zu beobachten?
  3. Wie verändern sich relevante Keywords in der SERPs?
  4. Wie verhält sich die Sichtbarkeit der Domain?
  5. Gibt es Auffälligkeiten in der Conversion-Rate?
  6. Gibt es Veränderungen der Besuchersignale? (Time-on-Site, Absprungrate)
  7. Schaut euch die Server-Logs an und halten nach Auffälligkeiten Ausschau
  8. Haltet die Search Console im Blick:
    1. Gibt es Crawling-Fehler, z.B. Anstieg von 404-Seiten, DNS-Probleme etc. (Denkt daran, dass die Daten in der Search Console etwas verzögert eintreffen. Die Daten haben ca. 2 Tage Verzug)
    2. Wie verändern sich Impressions und Klicks (Suchanalyse in der Search Console)?
    3. Überprüft die Ladezeit der Domain, z.B. mit webpagetest.org
    4. Crawlt die Domain und schaut auf eventuelle 404 Seiten oder Verlinkungen die auf Redirects verweisen, z.B. mit den SEOratio Tools, onpage.org, audisto oder dem Screaming Frog
    5. Achtet und prüft nach Relaunch die Domain auf Broken Links, also externe Links, die auf 404 Seiten verweisen

 

Fazit

Einen erfolgreichen Relaunch hinzulegen, sollte natürlich immer das Ziel sein. Was bedeutet erfolgreich in diesem Zusammenhang? Erfolgreich ist natürlich relativ. Für die einen ist der Status Quo zu halten bereits ein Erfolg. Bei komplexen Projekten kann dies auch durchaus ein Ziel sein. Dennoch sollte der Relaunch stets das Ziel haben, die Website einen (großen) Schritt nach vorne zu bringen. Sei es im SEO, in der Conversion-Optimierung, Usability oder in der Technik.

Antwort hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Unsere Fans